Leseproben „Mein Gewicht ist meine Liebe. Augustinus-Variationen“

I.

Denn es gab kein Damals,
wo es noch keine Zeit gab –
es gab und gibt nur Dich, Gott,
an dem ich immer teilhab

außerhalb der Zeit und
aus den Tiefen glückwärts –
wenn ich Dich, Gott, nur liebe,
dann läuft der Urknall rückwärts

in jedem Augenblick,
denn Damals gab es nicht,
sprichst Du, will man nur hörn,
zu uns: Es werde Licht!

 

IV.

Mein Gewicht ist meine Liebe.
Sie ist’s, die mich treibt,
wohin es mich auch treiben mag,
ist alles, was mir bleibt,

was in der Ewigkeit besteht
und immer schon verband,
was in der Zeit nur Stückwerk ist
und Hoffnung auf das Land,

aus dem ich stamm und das ich ahne,
wissend wie im Traum,
mich ziehend in mein Ur-Zuhaus,
jenseits von Zeit und Raum

 

 

XIII.

Über meinem Geiste ein unwandelbares Licht,
tief in meinem Herzen eine Wärme, die verspricht

In der ganzen Schöpfung Sinn und Ordnung, die verblüfft,
zugewandt und sprechend, so als ob es mich betrifft

Immer wieder, seit der Kindheit, Stimmen ohne Laut,
sagen mir: Nie wird zuschanden, der dem Licht vertraut


XVI.

Als Gott das Ziel, als Mensch der Weg,
als Ufer Gott, ein Mensch als Steg

Als Bild ein Mensch, als Gott nur Geist,
Sein Wort ins Unsagbare weist

 

XVIII.

Gegenseitig wohnen ineinander,
der hält und der gehalten wird,
so schließt sich dann dein Lebensstrom-Mäander
zum Kreis, die Mitte ist der Hirt,

der in dir wohnt und der dich hält –
du wohnst in Ihm und wirst gehalten.
An keinem Ort auf dieser Welt
wird dieses Halten je zerspalten,

wenn du Ihn liebst und Ihm vertraust
und Ihm erlaubst, in dir zu wohnen –
verlierst du auch die ganze Welt,
Er wird dich mit sich selbst belohnen

 

 

XX.

Aber welcher Mensch auf Erden
kann jetzt leben wie er will?
Wer verfügt über sein Leben?
Wär doch jedes Wollen still,

wenn du hättest, was du wolltest,
wenn du könntest, was du denkst,
was Befriedigung und Freude
sei – und es dir selber schenkst

Wenn du’s könntest! Doch du kannst hier
niemals leben ohne Tod –
und allein schon deshalb bist du
nicht dein eigener Despot

 

XXI.

Gott ist mir näher als ich mir selbst, mein Geist
ist nicht der Vordergrund, der auch Bewusstsein heißt –

Der Geist, der hinter dem Bewusstsein sitzt,
das Auge hinterm Hirn, verborgen und beschützt,

das nicht direkt nach außen sieht, weiß mehr,
da es, obzwar in mir, doch übersteigt,

was ich bewusst erkenne und begehr,
da es fast spiegelartig Gott mir zeigt

 

 

XXIII.

Dich verliert ja keiner,
wenn er Dich nicht verlässt –
sobald man ehrlich anklopft,
hältst Du uns wieder fest

Es gibt bei Dir kein Rechnen
von Schuld und Strafbarkeit –
Dein unfassbarer Maßstab
liegt außerhalb der Zeit

Du hältst den ganzen Kosmos,
kein Ort ist ohne Dich –
Du Ursache von allem
lässt keinen Halm im Stich

Ich, die Welt, das Leben –
ein Ringen um den Plot,
den Ursprung aller Liebe:
Geist, Sohn und Vater – Gott

 

XXVIII.

Sehnsucht ist der Anfang von allem –
sie ist es, die allem hier Antrieb gibt,
über sein So-sein hinauszugehen
zum Schöpfer, der alles unendlich liebt

Ohne Sehnsucht gäb es kein Wachstum,
kein Sprösslinge-strecken entgegen dem Licht
kein Wissen um den Sinn, keine Hoffnung,
kein Ziel und auch nicht dieses Gedicht

mein gewicht ist meine liebe

Das komplette Gedichtheft mit 37 Gedichten ist für 1,75 Euro pro Exemplar (zzgl. Versand) bei „Wort im Bild“ oder bei mir, gern auch mit persönlicher Widmung, erhältlich.

 

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Augustinus-Lesung am 24.8. in Schwallungen-Zillbach (Kreis Schmalkalden-Meiningen, Thüringen)

Plakat Zillbach


Morgen Abend Lesung im Garten von St.Eduard in Berlin-Neukölln

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Lesung und Konzert am 27.4. in Ortrand (Oberspreewald-Lausitz)

Am Fr., 27.4., 19 Uhr  werde ich im Rathaussaal der Stadt Ortrand im Landkreis Oberspreewald-Lausitz aus meinen Augustinus- und anderen Gedichten lesen. Die Lesung wird von der Musikband von Benjamin Sawicki untermalt und begleitet werden. Der Eintritt ist frei.

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Lyrik-Lesung bei „Pilatesengel“ am 3.3.

Am Sa, 3.3. werde ich eine bunte Mischung meiner Lyrik mit Piano-Improvisations-Begleitung von Jana Winkler bei der der Eröffnungsfeier des Studios „Pilatesengel“ in Berlin-Neukölln am Herrfurthplatz vortragen. Eintritt ist frei – und danach und davor spielen interessante Bands und Musiker, außerdem gibt es kostenloses Essen und Getränke vom Haus 😉pilatesengel


Lesung „Augustinus-Variationen“ in St.Clara, Berlin-Neukölln, am Fr., 24.11.

Am Freitag, den 24.11., um 19 Uhr lese ich in den Räumen von St.Clara, Briesestr. 15, in Berlin-Neukölln (Nähe U-Bahnhof Karl-Marx-Str.) aus meinen „Augustinus-Variationen“, dazu werde ich einige der Vertonungen von Siegfried Fietz anspielen, einige Original-Stellen aus Augustinus‘ Werk lesen, denen er die Zitate für die Gedichte entnommen hat und danach auch für ein Gespräch zur Verfügung stehen. Alkoholische und nichtalkoholische Getränke werden erhätlich sein.
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Matthias Matussek rezensiert meine Augustinus-Variationen für „The Cathwalk“

Der bekannte (und durchaus auch umstrittene) Journalist, Publizist und Bestseller-Autor Matthias Matussek („Die vaterlose Gesellschaft“, „Wir Deutschen“, „Das katholische Abenteuer“), ehemaliger Chef des Kulturressorts des Spiegel, hat für den Blog „The Cathwalk“ mein Gedichtheft „Mein Gewicht ist meine Liebe. Augustinus-Variationen“ rezensiert. Sein Fazit: „Besser kann man diesem Platoniker Augustinus wohl kaum nachspüren und schöner auch nicht.“
Die ganze Rezension hier:
https://www.thecathwalk.de/2017/11/06/mein-gewicht-ist-meine-liebe/