Artikel mit einer Rezension meines Romans „Rain Dogs“ in der „Wilinaburgia“

In der März-Ausgabe des Mitteilungsblattes des „Wilinaburgia e.V. – Verein der ehemaligen Angehörigen und Freunde des Gymnasium Philippinum Weilburg“ erschien ein bebilderter Artikel über meinen Roman „Rain Dogs“, der eine Rezension von Lothar Diehl, Matthias Kunz und Thomas Nessi enthielt. Auf der derselben Doppelseite war noch ein kurzer Artikel von mir über den Gedichtband „Rollen die Wolken durch den Wind“ meines Freundes Thomas Nessi abgedruckt.
Hier der Text der enthaltenen Rezension die Scans der Originalseiten der Zeitschrift:

„Das Berlin der Jahrtausendwende war schon ein seltsamer Ort. Wer das damals erlebt hat, wird sich beim Lesen an vieles erinnert fühlen: der Geruch und Krach der vielen Baustellen, die Naivität der Provinzler, die in die Hauptstadt strömen, der Umbruch, die Fertigen und das Unfertige.

Wie eine Zeitmaschine versetzt dieser Roman den Leser zurück in diese erst kürzlich versunkene Welt – auch für die, die damals nicht dabei sein konnten – und entfaltet aus den Perspektiven von drei grundlegend verschiedenen Freunden ein vielschichtiges und realistisches Portrait dieser Zeit. Nicht nur die typischen Phänomene des Lebens in der Metropole, sondern auch die Befindlichkeiten der Protagonisten, die frisch aus der mittelhessischen Provinz dort hingezogen sind, werden von innen und außen durchleuchtet.

Marco Kunz erzählt detailliert von den Wirrungen, Freuden und Absurditäten auf der Suche nach nächtlichen Abenteuern, Freundschaft, Kunst, Sex und Sinn. Filmisch gekonnt switcht der Autor durch Szenen und Perspektiven. Dabei baut er eine authentische Nähe zu den Charakteren auf, die einen nicht kalt lässt, sondern mit Verstand und Gefühl augenzwinkernd teilhaben lässt an der getriebenen Verlorenheit seiner Protagonisten Thomas, Bodo und Janosch, die alle drei, so unterschiedlich sie auch sind, in gewisser Weise Archetypen verschiedener Lebensentwürfe seiner Generation verkörpern:

Während Thomas sich gierig in das neue Abenteuer Großstadt stürzt, Partys, Dates und Sex hinterherjagt, leidet Bodo, der aus der Zeit gefallene Poet, an sich, der Welt und dem verplatteten Zeitgeist und verschreckt schon mal eine Angebetete mit Ausführungen zu Goethe und Eckermann; und Janosch, der solide mit seiner Freundin zusammenlebende Krankenpflegeschüler, der zum  Jahrtausendsilvester aus Mittelhessen seine Freunde in der Hauptstadt besucht, sehnt sich danach, auch auszubrechen wie die anderen beiden. Die Spannung zwischen den Hauptpersonen ist dramaturgisch sehr stark umgesetzt. Die äußere Handlung tritt manchmal ein wenig in den Hintergrund, und man bekommt durch innere Monologe einen direkten und ungefilterten Eindruck davon, wie die unterschiedlichen Personen ticken.

Im Dunstkreis des „Millenniums-Nebels“, in ein paar Tagen und Nächten mit viel Bier, billigen Cocktails und Zigaretten, einer bekifft in einer kaputten Bar verpennten Nacht, „postironischen“ Kunst-Events, Blind-Dates, verrückten Begegnungen und einem ausbleibenden Weltuntergang offenbart sich das Lebensgefühl einer beziehungsgestörten und orientierungslosen Generation zwischen analog und digital, ohne doch den Humor zu verlieren und nur totale Aussichtslosigkeit übrig zu lassen. Das Buch liest sich flüssig durch, man wird getrieben von der Neugierde: witzig und besinnlich, laut und leise – sehr lesenswert, wenn man kein Spießer ist, gerne lacht, Abgründe nicht scheut und Freude daran hat, sich in andere Personen hineinzufühlen.“

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Neues „RAIN DOGS“-Video

hier ein weiteres Video von meiner „Rain Dogs“-Lesung am 4.6.15 im „Keith“ in Berlin-Neukölln – die „Nuttenszene“:

Thomas, der seit seinem Umzug nach Berlin als persönlicher Assistent für Behinderte jobbt, versucht schon seit längerem, für seinen Schützling Maik, einen schweren Spastiker, eine Prostituierte zu besorgen, damit der auch mal Sex haben kann. Bisher sind alle Versuch gescheitert, aber diesmal scheint es zu klappen …

Achja, wundert euch nicht, dass man das Publikum gar nicht hört, der Audio-Teil wurde direkt über das Mikro aufgenommen (ja, mit Mischpult und so 😉 )


Artikel in der Print-Ausgabe in der „Märkischen Allgemeinen“ über meine RAIN DOGS-Lesung in Rheinsberg

Märkische Allgemeine