Hauspflege 1

Hauspflege 1

 .

Der Mann, die Söhne schon seit Jahren

tot – geblieben ist der Fernseher, er

läuft die ganze Zeit, dreimal am Tag

kommt Pflegepersonal, raus geht’s nicht

mehr, sie sagt: „Nu sitz ich hier!

.

Ihr letzter Stolz: das Spülbecken, vom

Pfleger blankpoliert, nur kein Wasser-

fleck, die Hosen abends bitte akkurat,

Falte auf Falte, auf den Stuhl ge-

legt, sie sagt, sie weint den langen Tag

.

Drei Kissen und ein Plüschtier auf der

Überdecke, im Fernsehn Dauerwerbe-

show für Schmuck, die Hosen akkurat,

in der Spüle keine Wasserflecken –

im Badezimmer liegt ein Haufen Kot

.

Veröffentlicht im „Jahrbuch der Lyrik 2005“, Verlag C.H.Beck, 2004

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